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Der zweite Tag ist daher Pausentag, es wird nichts hinzu gegeben. Die
Hefe bekommt Zeit, um sich wieder zu vermehren und eine höhere Konzentration
zu erreichen. Man lässt die Temperatur der Maische in den ersten
beiden Tagen ein wenig ansteigen, weil dies die Hefevermehrung begünstigt.
Man nennt den zweiten Tag odori. Dieses Wort bezieht sich auf
die Pause, die man zum Kräftesammeln vor dem Ersteigen eines Treppenabsatzes
macht. Es bedeutet aber auch Tanz. Und das ist genau das,
was an diesem Tag die Oberfläche der angesetzten Hauptmaische tut.
Am dritten Tag wird die Menge wieder verdoppelt. Jetzt wird die Temperatur
gesenkt, denn in diesem Moment ist der Säuregehalt der Maische wieder
verdünnt und sie ist empfindlich gegen unerwünschte Bakterien.
Die Temperatur muss jedoch trotzdem so hoch bleiben, dass die Hefe sich
weiter vermehrt.
Am vierten Tag geschieht dann eine weitere Verdopplung der Menge. Jetzt
ist die Hauptmaische fertig und in diesem Zustand nennt man sie Moromi.
Die japanischen Braumeister haben die Sandan Shikomi-Technik in mühsamen
Versuchen und Experimenten entwickelt. Erst im zwanzigsten Jahrhundert
konnte man die genauen chemischen Vorgänge dahinter wissenschaftlich
erforschen. Es ist erstaunlich, wie die Braumeister es geschafft haben,
genau die richtige Umgebung für das optimale Wachstum der Sake-Hefe
herzustellen.
Gärung
Wenn die Hauptmaische fertig ist, dauert der Gärungsprozess zwischen
achtzehn und zweiunddreißig Tagen. Man muss sich für diese
Zeit hauptsächlich um die optimalen Temperaturen bemühen. Die
chemischen Vorgänge in der Maische erzeugen Wärme. Der Braumeister
muss entscheiden, wann er die Temperatur nach unten ausgleichen muss.
Wenn sie zu hoch wird, findet die Gärung zu schnell statt, umgekehrt
zu langsam. In beiden Fällen wäre das Gleichgewicht der multiparallelen
Fermentation zerstört. (Und die ganze vorangegangene Arbeit zunichte
gemacht.)
Um die Temperatur in den Griff zu bekommen, hat man in der Edo-Zeit die
Methode des kan-zukuri (im Winter machen) entwickelt.
Man braute Sake nur im Winter. Einige Brauereien tun dies noch heute.
Andere verwenden moderne Kühltechniken. Manche machen auch einfach
alle paar Minuten die Fenster auf und zu. Letzten Endes hängt alles
von der Erfahrung und dem Instinkt der Braumeister ab.
An den Vorgängen auf der Oberfläche der Hauptmaische und an
Geruch und Geschmack kann der Braumeister erkennen, in welchem Zustand
sich die Maische befindet.
Zunächst absorbiert der Reis die Flüssigkeit, die Maische wird
zäh und dickflüssig. Nach ein paar Tagen bricht die Oberfläche
auf und es bildet sich ein Schaum, der immer dichter wird. Auf ihrem Höhepunkt
ist die Schaumschicht fast einen Meter hoch. Danach bildet sich der Schaum
zurück und die Maische erhitzt sich. Es beginnt für einige Tage
wild zu blubbern und zu brodeln.
Gegen Ende der Gärung beruhigt sie sich, die Hefe kommt zur Ruhe.
Der Braumeister muss jetzt den richtigen Moment erwischen, um den Gärungsprozess
zu beenden. Tut er dies zu spät, dann sterben die erschöpften
Hefezellen ab und erzeugen einen unangenehmen Nebengeschmack im Sake.
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