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Trinktemperatur

Die Trinktemperatur ist ganz entscheidend dafür, wie ein Sake sich präsentiert und schmeckt. Oft geben die Hersteller eine empfohlene Trinktemperatur auf dem Flaschenetikett an. Dies sollte dann die Temperatur sein, bei der der Sake sich so entfaltet, wie die Braumeister ihn kreiert haben.
 
 

Trinktemperatur Sake-Gefäße Sake Verkosten Sake und Essen
Aufbewahrung und Lagerung    

Es empfiehlt sich zunächst, diesem Rat zu folgen, da die Hersteller sich natürlich mit ihrem Sake auskennen. Allerdings kann man nie sicher sein und man hat ja auch noch seinen persönlichen Geschmack. Also ist es immer das Beste, selbst auszuprobieren. Was man sowieso tun muss, wenn es keine Empfehlung gibt oder wenn die Empfehlung mehrere Variationen enthält.

Dafür, wie sich Sake bei welcher Trinktemperatur verhält, sind viele Elemente aus dem Herstellungsprozess verantwortlich. Die Reissorte, das Wasser, wie viel Süße, Trockenheit oder Säure vorhanden ist.

Aber es liegt nicht nur am Sake, dass wir ihn bei unterschiedlichen Temperaturen unterschiedlich wahrnehmen. Sondern auch an unseren Geschmacksnerven, die bei unterschiedlichen Temperaturen unterschiedliches Wahrnehmungsvermögen haben.

Vorhandene Süße schmeckt man zum Beispiel bei kühlem Sake weniger. Ebenfalls Säure. Ab einer Temperatur von etwa 10°C wiederum ändert sich die Säurewahrnehmung nicht mehr. Bittere Geschmacksnuancen bemerkt man ebenfalls weniger, je wärmer der Sake ist.

Bei ca. 21°C können Gaumen und Zunge am meisten schmecken. Das heißt nicht, dass man nun jeden Sake bei dieser Temperatur trinken muss. Aber es ist eine gute Ausgangsbasis zum Kennen Lernen eines Sake. Und es entspricht ungefähr Zimmertemperatur. Was bedeutet, dass man mit Verkosten neuer Sorten bei Zimmertemperatur gut beraten ist. Und man muss zunächst keine Anstrengungen in Kühlen oder Wärmen investieren, von denen sich dann evtl. herausstellt, dass sie in die falsche Richtung gingen.

Eine interessante Variante zum Kennen Lernen eines Premium-Sake der Typen Ginjo oder Daiginjo ist, ihn gleich leicht gekühlt zu probieren. Denn diese Sake-Typen entfalten sich meist aufgrund ihrer Feinheit und Komplexität leicht gekühlt am besten. (Nicht zu stark kühlen, denn dann wiederum gehen feine Geschmacksnuancen unter.) Das Erlebnis dabei ist die langsame, feine Veränderung des Geschmackes, wenn sich der gekühlte Sake beim Trinken langsam auf Zimmertemperatur aufwärmt. Dann wird er quasi „lebendig” und verändert sein geschmackliches Erscheinungsbild vor unseren Augen bzw. vor unserem Gaumen und unserer Nase.

Die Serviertemperatur eines Sake oder auch die Auswahl eines Sake ist natürlich auch von der Jahreszeit abhängig. Im Herbst und Winter wird man gerne warmen Sake trinken, im Frühjahr und Sommer eher kühlen.

Eine weitere Rolle spielt das Essen, das man dazu servieren möchte bzw. das Essen, zu dem man den Sake servieren möchte.

Mehr: Sake und Essen

 
Grundsätzlich gibt es folgende Varianten der Sake-Trinktemperatur:

Gekühlter Sake

Man stellt zum Kühlen einfach die Flasche in den Kühlschrank oder in eine Schale mit Eis.

Ganz selten gibt es auch Varianten „On the Rocks”. Das bedeutet, dass man Eis oder Eiswürfel in den Sake-Becher oder das Glas gibt und den Sake dann darüber gießt. Man benötigt die passende Sake-Sorte hierfür. Und man muss bedenken, dass der Sake im Laufe der Zeit, wenn das Eis schmilzt, verdünnt wird.

Es gibt einen Sake-Typ, für den diese Trinkweise sehr gut passt und interessant ist, nämlich für Genshu. Sake hat nach dem Brauen einen Alkoholgehalt von bis zu 20% und wird mit Wasser auf ca. 15% verdünnt. Beim Genshu lässt man diesen Schritt weg, er hat daher meist einen hohen Alkoholgehalt. Trinkt man Genshu „On the Rocks”, hat man zuerst einen sehr starken Sake. Wenn das Eis langsam schmilzt, wird er zusehends mehr verdünnt und leichter. Jedoch nicht zu leicht, da er ja stark angefangen hat.
 

Sake bei Zimmertemperatur (18 – 21°C)

Dies ist die ideale Temperatur, um einen Sake Kennen zu Lernen. Meist entfaltet er hier sein Geschmacksspektrum am besten. Je nachdem, was er hier für einen Charakter zeigt, kann man entscheiden, ob eher Kühlen oder Wärmen ihm gut tut. Oder ob man vielleicht am besten bei dieser Temperatur bleibt.
 

Warmer Sake (Kan-zake)

Warmen Sake unterscheidet man danach, wie warm er ist:

Nurukan („lauwarm”)
Zimmertemperatur bis 40°C

Kan („warm”)
Ca. 40 bis 55°C

Atsukan („heiß”)
Über 55°C

Um warmen Sake gibt es ein wenig Durcheinander. Die Einen denken, dass man Sake nur warm trinkt. Die Anderen sagen, dass man ihn auf keinen Fall aufwärmen oder erhitzen darf. Wieder Andere mögen Sake überhaupt nicht, weil sie etwas, das evtl. einmal Sake war, als überhitzte Brühe angetroffen haben und denken, es wäre Sake.

Tatsache ist, dass man „früher” Sake immer warm getrunken hat. Aber man hatte früher auch anderen Sake. Zum Beispiel gab es die elaborierten feinen Ginjos und Daiginjos noch nicht, die es heute gibt. Sie haben fruchtige und blumige Aromen, die Aufwärmen gar nicht vertragen würden.

Und dann könnte es auch sein, dass oft eher weniger qualitätvoller Sake erwärmt wurde und wird, um ungute Geschmacksnuancen oder fehlenden Geschmack zu überdecken. Andere sagen, dass gerade beim Aufwärmen von weniger qualitätvollem Sake seine negativen Seiten betont werden.

Tatsache ist, dass zwanghaftes Aufwärmen oder Erhitzen von Sake, weil man denkt, dass es immer so sein müsste, ein Fehler ist.

Und Tatsache ist, dass Sake beschädigt wird, wenn er überhitzt wird, er verträgt es nicht. Auch wenn er danach wieder abkühlt, ist er hinüber. Man sollte also vor Allem diesen Fehler vermeiden und seinen Sake nicht zu heiß machen. Bei Kan sollte man im Bereich von 45°C vorsichtig werden, da liegt die Grenze. Man sollte auch im Restaurant darauf achten, dass der Sake nicht zu heiß gemacht wird.

Leider passiert das oft beim Einsatz automatischer Sake-Wärm-Maschinen. Dadurch entsteht dann eine heiße Brühe und man kann nur hoffen, dass der Sake vorher in Ordnung war oder vermuten, dass er es nicht war.

Tatsache ist jedoch auch, dass richtiger guter warmer Sake ein wunderbares Erlebnis ist. Die Japaner kultivieren es schon seit Jahrhunderten. (Es gibt sehr schöne Sammlungen von allen möglichen historischen tragbaren Sake-Wärmern für Anlässe wie Kirschblüten-Picknicks und Mond-Beobachtungs-Picknicks etc.) Sie sagen auch „einen warmen Stein auf den Bauch legen”. Gerade wenn der Winter, naht sollte man schauen, dass man einen Sake findet, der sich schon auf das Aufwärmen freut und gerade dann erst in seinem Element ist.

Wie wärmt man Sake?

Man erhitzt am besten im Wasserbad. Dazu nimmt man einen Topf mit genügend Wasser und setzt ihn auf die Kochplatte. Man nimmt eine Sakekaraffe und füllt den Sake hinein. Man stellt sie in den Topf. (Wahlweise kann man auch die ganze Sake-Flasche ins Wasserbad stellen bzw. legen.) Wichtig ist, dass sich das Wasser und der Sake in der Karaffe zusammen erwärmen. (Also nicht zuerst das Wasser kochen und dann die Karaffe in das kochende Wasser stellen, zu großer Schock und Temperaturunterschied.) Und sehr wichtig ist, dass der Sake nicht zu heiß wird und auf keinen Fall darf er kochen. Man muss zwischendurch die Temperatur des Sake immer wieder per Hand überprüfen. Am Anfang ist es ein bisschen kompliziert, aber nach einiger Zeit entwickelt man Routine.