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In Japan gibt es offizielle Verkostungen, u.a. im Frühjahr und im
Herbst, wenn die neuen Sake-Sorten fertig sind. Es gibt Wettbewerbe und
hoch begehrte Medaillen werden vergeben. Die Tester sind aus Forschungseinrichtungen,
Akademien, Profi-Sake-Kritiker oder Sake-Tester, die von den Brauereien
ausgebildet und hart geprüft werden. Diese Verkostungen sind natürlich
hochoffiziell.
Hier ein paar Tipps zur weniger offiziellen, aber erfolgreichen Sake-Verkostung:
- Wenn man mehrere Sorten parallel verkostet, sollte man dafür sorgen,
dass alle die gleiche Temperatur haben. Sonst kann man nicht wirklich
vergleichen. Am besten um die 20°C, was ungefähr Zimmertemperatur
entspricht.
- Wenn man wirklich ernsthaft Sake-Sorten direkt miteinander vergleichen
möchte, sollte man sie nicht direkt mit Essen kombinieren. Sondern
mit dem Essen erst beginnen, wenn man die Sorten einmal alle neutral,
ohne Beeinflussung durch den Geschmack der Speisen probiert hat. Danach
kann jeder Kombination und Gaumenfreude Tür und Tor geöffnet
werden. (Oder auch schon vorher natürlich, je nachdem, worum es geht.)
- Profis benutzen zum Verkosten Kiki-choko (Becher mit blauen Ringen,
siehe oben). Das ist für den normalen Verkoster nicht unbedingt nötig.
Man kann jedes der oben beschriebenen Gefäße verwenden. Masu
empfehlen sich jedoch nicht, sie beeinflussen den Geschmack zu stark.
Weißweingläser sind vorteilhaft, um die Farbe, Transparenz
und Schlierenbildung am Glas zu erleben.
- Eine gute Reihenfolge ist: Schauen, Riechen, Schmecken.
Farbe und Erscheinungsbild
Ganz frischer Sake hat eine helle, gelbgrüne Farbe. Normaler Sake
hat an sich eine leicht gelbe bis bernsteinfarbene Tönung. Sie wurde
jedoch eine Zeit lang von Kennern nicht geschätzt. Früher war
es schwierig, klaren Sake herzustellen, deswegen war der klare Sake etwas
Besonderes. Heute kann man durch Filtern mit Kohle die Farbe aus dem Sake
herausziehen. Allerdings kann zu viel Filtern auch einen Verlust an Geschmack
zur Folge haben. Im Trend zurück zur Natur kommt eine leicht gelbliche
Farbe wieder gut an. Sie kann jedoch auch ein negatives Zeichen und Hinweis
auf einen Defekt eines Sake sein.
Duft
Man hält seine Nase über den Sake und schnuppert. Erst etwas
weiter weg, dann näher heran. Ein leichtes Schwenken des Glases ist
förderlich, weil der Sake dann Luft bekommt und sein Duft sich besser
entfalten kann.
Es ist schön, wenn ein Sake duftig ist. Manche Sake-Brauer kreieren
jedoch gezielt Sake ohne Duft, je nachdem, ob er zum Gesamtkunstwerk passt.
Ist kein Duft zu spüren, kann das auch sehr gut zum Charakter des
Sake passen.
Geschmack
Man nimmt einen Schluck Sake in den Mund. Dabei sollte man versuchen,
ein wenig Luft mit zu schlürfen und den Sake möglichst gut im
Mund zu verteilen (das vom Wein her berühmte und berüchtigte
Kauen kann auch versucht werden). Mit Luft kann der Sake seinen
Geschmack besser entfalten. Durch das Verteilen können wir den Sake
am intensivsten mit allen zur Verfügung stehenden Geschmacksnerven
ertasten. Dann ( - ganz ruhig bleiben, der Vorgang ist in Wirklichkeit
nicht so schwer und langatmig, wie er sich liest -) atmet man durch den
Mund etwas Luft ein und durch die Nase wieder aus, wobei sich Aroma und
Duft des Sake auch im oberen Gaumen intensiv verbreiten.
Man lebt im Augenblick und genießt seine Geschmacksempfindungen.
Wie ist der erste Eindruck? Ist der Sake sofort präsent oder entfaltet
er sich erst später? Woran erinnert der Geschmack? Alles ist möglich,
von blumigen oder fruchtigen Komponenten zu nussig, rauchig oder Reisgeschmack.
Ist der Sake eher schwer oder leicht, süß oder sehr trocken,
vielleicht etwas adstringierend? Wie würde man den Charakter beschreiben?
Wie ist das Mundgefühl, körnig, weich, glatt, rau?
Dann schluckt man den Sake hinunter und beobachtet, wie sich der Abgang
anfühlt. Interessant ist das Echo des Sake. Ist er schnell
verschwunden, gibt es einen Nachgeschmack, entfalten sich noch Aromen
oder nicht, wie bleibt er in Erinnerung?
Jetzt hat man einen Gesamteindruck: wie ist der Sake balanciert, was
steht im Vordergrund, was ist prägend?
Wenn man viele Sorten verkostet, ist es in Ordnung, den Schluck Sake
auszuspucken, um nicht zu sehr vom Alkohol überwältigt zu werden.
Dann verpasst man allerdings den Abgang des Sake, er kann sich nicht richtig
verabschieden.
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