|
Die angewendeten Braumethoden sind ebenfalls sehr vielfältig, angefangen
bei vollautomatisierten Verfahren mittels modernster Technologien bis
zur Anwendung ganz traditioneller Methoden, die nur in Handarbeit umzusetzen
sind.
Mehr dazu: Sake-Herstellung
Eine Sake-Brauerei nennt man Kura (Brauerei) oder Sakagura
(Sake-Brauerei). Jede Brauerei hat einen Toji (Braumeister).
Alle anderen Arbeiter einer Brauerei sind Kurabito (Brauerei-Mitglieder).
In früheren Zeiten (und teilweise auch noch heute) wurde Sake nur
im Winter gebraut (kan-zukuri), da die kalten Temperaturen zu den
besten Ergebnissen führten. Für die Produktion gab es eine Symbiose
zwischen Reisbauern und anderen jahreszeitabhängigen Bauern und Fischern
und Sake-Brauereien. Da im Winter der Reis abgeerntet und die Felder mit
Schnee bedeckt waren, hatten die Reisbauern nichts mehr zu tun. Sie zogen
für die Wintermonate in eine Brauerei und brauten dort Sake, der
im Frühjahr fertig war. Dann gingen sie zurück nach Hause und
arbeiteten wieder auf Ihren Feldern und Gewässern.
Die Toji und Kurabito arbeiteten nach Möglichkeit in den nahe gelegenen
Brauereien. Dadurch, dass die Anzahl der verfügbaren Toji und Kurabito
in den Regionen jedoch unterschiedlich groß war kam es zu Wanderbewegungen
auch über weiter entfernte Regionen hinweg.
Es bildeten sich regionale Gruppen von Toji und Kurabito, die zusammen
reisten. Die Toji gaben ihre speziellen Techniken innerhalb diesen Gruppen
weiter. So bildeten sich Toji-Schulen heraus, deren Wissen von Generation
zu Generation weitergegeben wurde. Diese Schulen wurden dann auch mit
dem Stil der Brauerei in Verbindung gebracht, für die sie arbeiteten.
Die Toji-Schulen tragen noch alte Namensbezeichnungen der Regionen. Die
größten und berühmtesten sind Tamba und Tajima (in der
heutigen Hyogo-Präfektur), die traditionell in den Brauereien von
Nada arbeiteten sowie die Toji von Echizen (Fukui-Präfektur) und
Tango (bei Osaka), die die Brauereien in Fushimi (Kyoto) betreuten.
Auf manchen Flaschenetiketten findet man Angaben zum Namen des Toji und
zur Toji-Schule, nach deren Methoden der Sake gebraut wurde.
Der Beruf des Toji ist sehr anspruchsvoll. Er ist für die gesamte
Sake-Produktion verantwortlich. Das bezieht sich sowohl auf die eingesetzten
Methoden und Zutaten als auch auf die Koordination der Zusammenarbeit
der Kurabito, die ein wichtiger Faktor für erfolgreiches Sake-Brauen
ist. Die Ausbildung der Toji ist dementsprechend langwierig.
Die Arbeit in den Sake-Brauereien war früher sehr hart. Es war kalt,
es herrschten strenge Hierarchien und es musste Tag und Nacht gearbeitet
werden, da der Gärprozess leider keine Rücksicht auf den Schlafrhythmus
der Menschen nimmt. Zudem waren die reisenden Toji und Kurabito den ganzen
Winter über von ihren Familien getrennt.
Basierend auf den Ursprüngen und starken Traditionen der Sake-Brauereikunst
in Japan hat sich heutzutage natürlich im Vergleich einiges verändert.
Im Sake-Brauprozess kann vieles automatisiert ablaufen und viele Arbeitsgänge
bestehen aus der Kontrolle von Temperaturanzeigen und Computern. Man kann
das ganze Jahr über brauen, was jedoch nicht alle Brauereien machen.
Die Landbevölkerung ist geschrumpft und die Kurabito kommen meist
aus der gleichen Stadt und haben keinen landwirtschaftlichen Hintergrund
mehr. Die Mitarbeiter einer Sakagura sind meist fest angestellt. Es gibt
Wissenschaftler und Techniker unter den Toji, beziehungsweise die Toji
arbeiten mit Technikern zusammen. Die Hierarchien sind geblieben, aber
die Arbeitsrhythmen sind moderater geworden. Je mehr eine Brauerei jedoch
traditionelle Verfahren und Handarbeit einsetzt, was oft getan wird, um
so mehr stecken Toji und Kurabito natürlich noch oder wieder in den
alten Arbeitsrhythmen und Anforderungen.
Frauen durften sich früher in den Sake-Brauereien übrigens
nicht aufhalten, geschweige denn arbeiten. Eine leichte Lockerung dieses
Prinzips ist zu beobachten, Frauen dürfen Brauereien betreten und
werden auch als Kurabito und Toji ausgebildet.
Generell wird die Anzahl an traditionellen Toji in Japan immer kleiner.
Die Toji-Generation, die gerade am Werk ist, ist um die sechzig Jahre
alt und findet nicht genug Nachfolger. Zudem ist der Sake-Markt im Umbruch.
Die Konkurrenz von Shochu und anderen alkoholischen Getränken ist
derzeit sehr groß und der Konsum von Sake generell ist rückläufig.
Interessant ist jedoch, dass der Konsum von Premium-Sake schon längere
Zeit kontinuierlich ansteigt. Zudem ist der Premium-Sake von heute so
gut wie nie zuvor und die Sake-Brauereien sind stark motiviert. Wir werden
in Zukunft einige Veränderungen und neue Entwicklungen beobachten
können.
|